Gesprächsrunde Hilfe für Geflüchtete
 

"Konkrete Hilfe braucht engagierte Gemeinden und Menschen"

Gesprächsrunde zum Thema Hilfe für geflüchtete Menschen



Martin Mauthe-Käter (links) erläutert weltweite Fluchtursachen



40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgen die Gesprächsrunde






Über besondere Untersützung für unbegleitete minderjährige Geflüchtete berichtet Bonny Lotzow (mitte)






Plakate geben einen Überblick über verschiedene Konflikte, die Menschen zur Flucht bewegen



Nach dem Morgengottesdienst waren vegetarische Suppen vorbereitet





 

(05.08.2016) "Weltweit sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Mehr als die Hälfte der Geflüchteten und Vertriebenen sind Kinder", schildert Martin Mauthe-Käter. Der stellvertretende Leiter der Grundsatzabteilung im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist Mitglied der Gemeinde Berlin-Humboldthain. Gemeinsam mit Jörg Leske, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des Hilfswerks NAK-karitativ, und Bonny Lotzow, Sozialbetreuerin bei der sozialpädagogischen Praxis Langer, sprach er über die aktuelle Migrationsentwicklung und Unterstützungsmöglichkeiten für Geflüchtete. Am Sonntag, den 17. Juli waren sie Diskutanten einer Gesprächsrunde in der neuapostolischen Kirche Berlin-Humboldthain.

Vielfältige Fluchtursachen

Moderator Marc-Philipp Waschke, Öffentlichkeitsbeauftragter der Gemeinde, eröffnet die Gesprächsrunde mit einigen aktuellen Zahlen für das Land Berlin. Laut Berliner Sozialverwaltung würden 54.000 geflüchtete Menschen (Stand Ende Mai 2016) in der Hauptstadt leben. Nur ein Viertel davon hätte bislang in Wohnungen untergebracht werden können. Der überwiegende Teil komme aus Syrien, dem Irak und Afghanistan und lebe jetzt in Gemeinschafts- und Notunterkünften.

"Im Libanon, einem Land mit gerade einmal sechs Millionen Einwohnern, leben derzeit über zwei Millionen Flüchtlinge", ordnet Martin Mauthe-Käter die Zahlen in den globalen Kontext ein. Viele Menschen aus Krisengebieten fänden Zuflucht in den unmittelbaren Nachbarländern, führt er fort. Bürgerkriege, Verfolgung, Hunger, Armut, Diskriminierungen - die weltweiten Fluchtursachen sind vielfältig, betont auch Jörg Leske. Doch dort, wo Bomben fallen, könne NAK-karitativ kaum Hilfe leisten. Vielmehr engagiere sich das Hilfswerk in zahlreichen Ländern mit Bildungsförderung, Brunnenbauten und in der Hungerprävention. Dennoch helfe es auch gezielt geflüchteten Menschen. So werden Menschen in sogenannten Transitländern unterstützt, die auf der Flucht nach Europa sind, berichtet der Geschäftsführer des Hilfswerks. Ein solches Projekt in Serbien ist es auch, das mit einem Teil der im vergangenen Jahr eingegangen Spendengelder durch die Gemeinde Humboldthain unterstützt wurde. Aber auch in Deutschland gebe es Projekte zur Unterstützung von Geflüchteten, die NAK-karitativ fördere. Zum Beispiel organisiere und finanziere es ein sozialpädagogisches Freizeit- und Beratungsangebot für zwei „Interkulturelle Klassen“ mit 40 Geflüchteten und Zugewanderten in Wuppertal, erklärt Jörg Leske.


Langfristiges Engagement ist notwendig

Besonders viel Unterstützung benötigen minderjährige Jugendliche, die unbegleitet nach Europa geflohen sind. Welche traumatischen Erlebnisse viele der Kinder und Jugendlichen erfahren haben, berichtet Bonny Lotzow aus ihrer täglichen Arbeit. "Viele der 14- bis 18-jährigen Jungs wurden alleine auf die Reise nach Europa geschickt, andere wiederum haben ihre Eltern und Geschwister auf der Flucht verloren", schildert die Sozialbetreuerin. Viele unbegleitete Minderjährige seien vollkommen überfordert mit der neuen Situation in Deutschland und bräuchten professionelle Unterstützung. Aber auch ehrenamtliche Hilfe werde nach wie vor dringend benötigt. "Es braucht besonders Menschen, die sich regelmäßig und langfristig engagieren", betont die Psychologin. Empathie und eine offene Art seien wichtige Eigenschaften für diese Fürsorge. Im kirchlichen Kontext gebe es viele Aktive, doch nicht jedes wohlgemeinte Engagement sei auch wirklich hilfreich. Man müsse gut aufpassen, dass Hilfe nicht andere Ziele verfolge, mahnt Jörg Leske und betont: "Es darf nicht darum gehen, Menschen für den neuapostolischen Glauben zu gewinnen. Das hat bei dieser Hilfe nichts zu suchen". Der christliche Glaube könne zwar Triebfeder sein, doch alles andere sei falsch verstandene Motivation.


Jeder ist gefragt
 

Motivierend schienen die teils bedrückenden Berichte der drei Gäste auf die Zuhörer zu wirken. "Was ist bei einer Vormundschaft zu beachten?", "Welche Unterstützung kann die Gemeinde und jeder selbst bieten?", "Wo kann ich mich genau einbringen?". Viele der rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben konkrete Fragen und signalisieren ihre Hilfsbereitschaft. Während Martin Mauthe-Käter genauer auf die Rolle der Entwicklungszusammenarbeit eingeht und deren Ansätze beispielsweise in Afrika erläutert, weist Jörg Leske daraufhin, welche Auswirkungen der Lebensstil in Europa auf andere Weltregionen habe. So könne jeder einzelne mit bewusster Ernährung, dem Einkauf fair produzierter Waren und nachhaltigem Konsum kleine Schritte leisten, erklärt er.


334,90 € an Spenden eingegangen
  
Ein Beispiel für Engagement lieferte bereits das gemeinsame Mittagessen in der Kirche im Anschluss an den Morgengottesdienst. Unter dem Titel "Soup 'n' Talk", in dessen Reihe auch die Gesprächsrunde stattfand, hatten Gemeindemitglieder vegetarische kalte Suppen, Griesbrei mit Kirschen sowie Milchreis vorbereitet. Während des Vormittags wurden 334,90 € an Spenden für weitere karitative Projekte gesammelt. 

"Eine solche Inforunde brauchen wir unbedingt noch einmal, mit weiteren Hinweisen und Adressen, an wen ich mich wenden kann", resümiert ein Teilnehmer mit sichtlich großem Interesse die Veranstaltung. Und auch Jörg Leske stellt der Gemeinde ein positives Zeugnis aus. "Nicht überall gibt es das offene Ohr für diese Themen, konkrete Hilfe braucht auch engagierte Gemeinden und Menschen."

Das nächste "Soup 'n' Talk" in der Gemeinde ist für den Herbst geplant.




Text: MPW
Fotos: WW

 
 
 
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