Ein Finale ohne Humboldthain
 


Ein Finale ohne Humboldthain
































Sprachlos und sich der Situation noch nicht recht bewusst laufen die 10 Männer des Humboldthainer Fußballteams vom Platz. Es ist Samstag, der 12.Juni 2010, gegen 16 Uhr, irgendwo zwischen Wiesen und Feldern, mehrere Kilometer entfernt von der Landeshauptstadt Niedersachsens.

Eine gute halbe Stunde später beginnt das Finale des NAK-Fußballturnier 2010 in Schneeren unweit von Hannover. Doch auf dem Feld Nr.1 des großen Fußballareals stehen nicht jene zehn Männer, die (zum Teil) aus Berlin angereist waren.

Nein- eine Mannschaft aus dem Nord-Westen der Republik gewinnt den Pokal und feiert ausgelassen. Die Kickers aus Emden sind die glücklichen Sieger eines langen Fußballtages.

 

Der Tag begann früh für die Männer aus Berlin. Um 6:00 Uhr hieß es „Schuhe an!“ und los zum Hauptbahnhof in Hannover. Bereits am Vortag reisten sechs Teammitglieder mit der Bahn nach Hannover an, die restlichen Mannschaftskollegen traf man dann in der Landeshauptstadt.

Die Nacht war für die meisten recht kurz und doch suchte keiner nach Ausreden - alle waren topmotiviert und kamen so pünktlich am Hauptbahnhof an, dass sogar noch Zeit für ein kleines Frühstück war.

Mit der Regionalbahn ging es dann ins Umland. Bei Neustadt am Rübenberge erwischten die Jungs noch grade den Bus, der nur alle zwei Stunden fährt.

Gegen halb Neun durchquerte das Humboldthainer Team das beschauliche und ruhige Schneeren. Am Dorfende dann entdeckte man schließlich die Flagge der Neuapostolische Kirche, sowie einige Zelte und erwartungsfrohe Menschen.

Freundlich begrüßt von den Organisatoren und einigen Teams, die die Nacht vor Ort in Zelten verbracht haben, begutachtete man die Platzverhältnisse und stellte schnell fest: „Das ist schon richtig gut organisiert hier“, so Pascal Silz, Abwehrspieler.

Alsbald schnappten sich die Kicker aus Berlin einen Ball und machten sich warm.

Schnell wurde noch ein Team-Quartier ausgesucht, etwas versetzt hinter einem der Tore von Feld 2 wurde die Berliner Flagge gehisst und fortan versammelte man sich in dieser „Berliner Exklave“, wenn man nicht gerade selbst spielte.

Immer mehr Teams aus der halben Bundesrepublik trafen ein, Teams aus der Umgebung von Hannover, aber auch Teams aus Braunschweig, Dessau, Hildesheim, Aue, Lübeck, Oldenburg, Magdeburg, Göttingen und Berlin-Schöneberg.

Berlin-Schöneberg? Ja man war nicht alleine. Ein Team aus der Gemeinde Berlin-Schöneberg machte sich ebenfalls auf.

Schnell kam man in Kontakt und beschloss sich bis zum etwaigen Finale anzufeuern. Keine Selbstverständlichkeit! Denn die Teams aus Schöneberg und Humboldthain sind ärgste Konkurrenten. In den letzten Jahren trafen diese Teams meist am Ende Berliner Turniere immer wieder aufeinander. Zweifellos sind diese zwei die spielstärksten Teams aus Berlin und Brandenburg. So war es eigentlich keine Überraschung, dass man sich nun nahe Hannover wieder traf.

Punkt zehn Uhr sollte es losgehen. Mit den letzten Anweisungen und einer Begrüßung des Organisationsteams startete das NAK-Fußballturnier 2010 in Schneeren.

Die Humboldthainer erwischten, wie sich später herrausstellte, keine einfache Gruppe.

Das Team schwörte sich ein und schon ging es los. Auf einem Halbfeld wurde 6 gegen 6 gespielt, plus jeweils einen Torwart. Zehn Minuten sollte eine Partie dauern. Ein dankbarer Gegner. Das Team aus Dessau sollte ein guter erster Gegner werden. Schnell kamen die Jungs in die Partie und markierten früh den ersten Treffer. 5:0 war der Endstand. Erleichtert und gestärkt klatschte man sich ab. 5:0 wahrhaft ein gelungener Start. Das registrierten auch einige andere Teams.

Zwanzig Minuten später das nächste Spiel und es sollte vielleicht ein entscheidendes sein. Wieder dominierten die Kicker aus Berlin die Partie. Die Gegner aus Burgdorf waren aber durchaus spielstärker als die Dessauer. Und dann eine Schrecksekunde. Bei einem Laufduell verletzte sich „Eli“. Wohl der technisch beschlagenste Spieler des Teams musste vom Feld. Die Partie endete mit 0:0.

Sorgenvoll waren die Blicke der Mitspieler, mit Eisbeuteln versorgt, kühlte Eli seinen linken Knöchel. Das sah nicht gut aus. Der Gegenspieler fiel mit vollem Gewicht auf den Knöchel des 17-Jährigen.

Man entschied, Eli, der natürlich am liebsten weiterspielen wollte, zunächst draußen zu lassen. Die nächte Partie musste ohne ihn absolviert werden.
Gegen Lehrte, dem bis dato wohl schwersten Konkurrenten, langte es wieder nur zu einem 0:0.

Eine durchaus starke Defensivleistung um den Torhüter Nico Jaroni, der nur wenig zu tun hatte, sorgte für Stabilität. Allerdings fehlte im Angriff ein wenig die Durchschlagskraft. Das sollte sich aber ändern. In der folgenden Partie zeigten die Humboldthainer dem Gegner wieder einmal die Grenzen auf und siegten mit 1:0 gegen Braunschweig. Auch Eli sollte für einige Minuten wieder auf dem Feld stehen.

Vor dem letzten Spiel der Vorrunde war klar, das Achtelfinale ist schon sicher.

Aus dem Spiel gegen das Team aus Weyhe wollte man mit einem Erfolgserlebnis die Vorrunde beenden.

Mit einem sehenswerten Hacken-Treffer von Kai Brauner siegte man wiederum mit 1:0.

Mit sieben geschossenen Toren und null Gegentreffern beendete man die Vorrunde auf Platz zwei.

Nun war erst einmal Pause. Die Turnierorganisatoren sorgten für ausreichend Speiß und Trank, welches gegen kleines Geld verzehrt werden konnte.

Nach einer etwas längeren Mittagspause ging es mit dem Achtelfinale weiter. Traf man in der Vorrunde gegen die „Oldies“ aus Dessau, warteten auf Feld 2 nun die „Youngsgter“ aus Dessau. Aber nicht ein einziger Dessauer Spieler sollte heute gegen die Humboldthainer eine Chance bekommen. Mit 4:0 fegte man die Gegner vom Platz und zeigte das wohl beste Spiel der Berliner an diesem Tag.

Nun war klar mit dem nächsten Sieg sollte das Halbfinale erreicht werden.

Einsetzender Regen und aufkommender Wind machten den Turniertag ungemütlicher.

Nach einer weiteren Pause ging es im Viertelfinale weiter. Dort wartete das Team aus Emden und ja Emden, Sie ahnen es.
Ein zerfahrenes Spiel sollte es werden. Das Humboldthainer Team übernahm wieder einmal die Initiative und dominierte das Spiel und den Gegner. Zahlreiche Torchancen wurden nicht genutzt. Auch Torwart Jaroni war auf dem Posten als der erste Torschuss seit langem auf das Tor kam. Dann wieder ein guter Ball in die Spitze, Schuss und „Hand, Hand, Hand“ hallte es über das Feld in Richtung Schiedsrichter. Mit vollem Einsatz warf sich ein Emdener im Strafraum in den Schuss. Doch der Schiedsrichter sah nicht was alle Humboldthainer gesehen haben wollten. Weiter ging das Spiel- weiter rollte auch die Angriffswelle der Berliner.
Und dann ein abgefangener Ball und die Kickers aus Emden rannten los und konterten die Berliner eiskalt aus. Schuss abgewehrt und dann der Nachschuss, Tor. 30 Sekunden vor dem Abpfiff und dem erwarteten 9-Meter-Schießen.

Eli schnappte sich den Ball und rannte mit voller Kraft Richtung Emdener Tor, die Schmerzen schienen vergessen. Doch dann der Pfiff...
Denn Rest kennen Sie.

 

Ein spannendes Wochenende mit vielen Eindrücken, aber leider nicht dem gewollten Pokal ging zu Ende. Ein tolles Team, mit viel Moral und Leidenschaft. Insgesamt waren die Humboldthainer sicher eines der besten Teams des Turniers. Aber eine Unachtsamkeit sorgte für das K.O.

Erschöpft und niedergeschlagen saßen alle bei Pizza, wieder in Hannover eingetroffen, vor dem Fernseher und schauten sich die FIFA WM an.

Am nächsten Morgen ging es zurück nach Berlin.

Die Schöneberger übrigens scheiterten im Halbfinale, sicherten sich aber Platz 3.

 

Im Herbst trifft man sich wohl wieder beim Berlin-Brandenburg-Turnier.


Ein Bericht von MPW



Vorbericht: Fußballteam bricht auf nach Hannover 




 
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